Erkrankungen des Halses – Mandelentzündung

Die Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) gehört schon seit 100 Jahren zu den häufigsten geplanten operativen Eingriffen. In den 60er Jahren wurde sie geradezu routinemäßig zur Vorbeugung von Folgeerkrankungen eingesetzt. Heute schätzt man die Funktion der Mandeln im körpereigenen Abwehrsystem höher ein.

Die Gaumenmandel gehört zum so genannten lymphatischen Rachenring, der ein Teil des Immunsystems ist und daher eine wichtige Abwehrfunktion gegen eindringende Keime hat. Deshalb wird die Operation heute nur noch bei genau festgelegten Krankheitszuständen eingesetzt. Diese sind:

  • immer wiederkehrende akute Mandelentzündungen (mehr als dreimal pro Jahr)
  • Mandelentzündungen, die trotz Antibiotika nicht ausheilen oder wenn sich ein Abszess (Eiteransammlung) bildet
  • chronische Mandelentzündungen
  • vergrößerte Gaumenmandeln, die die Atmung beeinträchtigen

Mandelentzündung

Wie sehen die Krankheitsbilder aus?

Zu einer akuten Entzündung der Gaumenmandeln (Angina tonsillaris) kommt es durch das Eindringen von Viren oder Bakterien in den Rachenbereich. Vor allem Kinder zwischen fünf und elf Jahren sind von der so genannten „Angina“ betroffen. Es kommt zu heftigen Schluckbeschwerden und hohem Fieber; das Allgemeinbefinden ist stark eingeschränkt.

Handelt es sich um eine Virusinfektion, klingen Entzündung und Schmerzen meist ohne spezielle Therapie nach ein bis drei Tagen wieder ab.

Bei einer bakteriellen Infektion sind meist Bakterien aus der Gruppe der Streptokokken verantwortlich. Die Mandeln sind entzündlich geschwollen, hochrot und haben weiße bis gelbliche, streifenartige, punktförmige oder schmierige Beläge. Ein typisches Begleitsymptom ist unangenehmer Mundgeruch. Richtig gefährlich kann die Infektion mit Bakterien werden, wenn sich auf den entzündeten Mandeln ein Abszess bildet, also eine Eiteransammlung. Der Eiter muss möglichst bald operativ entfernt werden, wobei dabei meist auch die Mandeln entnommen werden. Begleitend erhalten die Patienten Antibiotika.

Eine chronische Mandelentzündung entsteht, wenn sich auf den Einsenkungen der Mandeloberfläche dauerhaft Bakterien und abgestorbene Zellteile ablagern und die Entzündung nicht verheilen lassen. Es kommt zu einer Zerklüftung der Oberfläche und das Gewebe vernarbt.

Mandelentzündung 2

Chronische Mandelentzündung

Viele Betroffene merken gar nichts von der Infektion, weil sie keine Beschwerden haben. Bei manchen treten leichte Schluckbeschwerden oder ein unangenehmer Geschmack und Mundgeruch auf. Auf Druck quellen abgestorbene Zellen aus den kleinen Grübchen an der Mandeloberfläche. Antibiotika erreichen das Mandelgewebe jetzt nicht mehr. Die Bakterienansiedlung kann zudem auch noch als Streuherd wirken: Bakterien und Botenstoffe gelangen von dort ins Blut, können zu anderen Organen getragen werden und Infektionen verursachen. Wird eine chronische Mandelentzündung verschleppt, sind Nieren- und Herzklappen bedroht, und es kann zu Rheumatischem Fieber kommen.

Kinder brauchen ihre Mandeln

Die Mandeln haben heute ein „gutes Image“. Sie gelten vor allem bei Kindern als „Wächter“ vor Viren- und Bakterienattacken. Sie fungieren als biologische Filterorgane und können in den Blut- und Lymphbahnen eingedrungene Keime abfangen.

Untersuchungen zeigen, dass eine zu frühe Mandelentfernung die Leistungsfähigkeit des kindlichen Immunsystems auf Jahre beeinträchtigen kann. Deshalb werden Kindern die Gaumen-Mandeln in der Regel erst ab dem sechsten Lebensjahr entfernt.

Trotzdem gilt: Bei chronisch entzündeten Mandeln muss festgestellt werden, ob eine Gefährdung der Gesundheit vorliegt und gegebenenfalls eine Tonsillektomie vorgenommen werden!

Können Komplikationen auftreten?

Die Operation ist ein kurzer Eingriff, der meist in Vollnarkose durchgeführt wird. Der Arzt trennt dabei die beiden Gaumenmandeln am so genannten Mandelpol ab. Der Eingriff wird stationär durchgeführt, weil die Gefahr von Nachblutungen besteht. Am häufigsten treten diese am Tag der Operation und am folgenden Tag auf. Aber auch am 5. und 6. Tag, wenn sich die weißlichen Wundbeläge von den Mandelbetten lösen, besteht ein Risiko. Da diese Blutungen massiv und lebensbedrohlich sein können, erfordern sie ein sofortiges ärztliches Eingreifen.
Deshalb bleiben die Patienten in der Regel 6 – 7 Tage zur Beobachtung im Krankenhaus.

Was muss man bedenken?

Eine Gaumenmandelentfernung aufgrund ständiger Entzündungen oder einer chronischen Erkrankung führt fast unmittelbar zu einer Verbesserung oder Ausheilung des bestehenden Krankheitsbildes. Vor allem im Kindesalter nimmt die Infektanfälligkeit deutlich ab. Die Erfahrung zeigt, dass Kinder, die durch ständige Infektionen in ihrer körperlichen Entwicklung beeinträchtigt waren, nach der Operation sehr schnell Fortschritte machen.

Gibt es Alternativen zur Operation?

Bei einer Gaumenmandelvergrößerung, wie auch bei einer chronischen Mandelentzündung gibt es heute die Möglichkeit der Lasertherapie, die jedoch nicht für jeden Patienten geeignet ist. Sie dürfen uns diesbezüglich gerne für genauere Informationen kontaktieren.

Bei einem Abszess kann anstatt der Entfernung der Mandeln eine Schnitteröffnung gemacht werden, um den Eiter abfließen zu lassen. Aber auch dann sollten nach einigen Wochen die Mandeln trotzdem entfernt werden.

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