Erkrankungen des Halses – Sprachentwicklungsverzögerung bei Kindern

Mit dem Eintritt in die Schule endet normalerweise die Sprachentwicklung eines Kindes.

Für die Sprachentwicklung notwendig ist ein uneingeschränktes Hörvermögen.

Generell wird die Entwicklung des Sprachverständnisses von der des aktiven Sprechens unterschieden. Beim Verdacht, dass Ihr Kind keine normale Sprachentwicklung hat, sollten Sie einen HNO-Arzt aufsuchen.

Sprachentwicklungsstörungen

Welche Voraussetzungen sind für eine normale Sprachentwicklung notwendig?

Der normale Spracherwerb beginnt im Säuglingsalter und endet mit Beginn des Schulalters. Er verläuft im Einzelfall sehr unterschiedlich. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Die Sprachentwicklung hängt aber auch von verschiedenen äußeren Faktoren, z. B. von einer zweisprachigen Erziehung oder vom sozialen Status der Eltern, ab.

Notwendig für eine normale Sprachentwicklung sind ein uneingeschränktes Hörvermögen und soziale Kontakte. Das Erlernen der Sprache erfordert außerdem ausreichende geistige Fähigkeiten des Kindes. Für das aktive Sprechen ist darüber hinaus ein funktionierender Bewegungsablauf der Muskulatur unabdingbar, da die Artikulierungsfähigkeit nur durch ein Zusammenspiel vieler großer und kleiner Muskeln im Rumpf-, Hals- und Mundbereich möglich wird.

Woran zeigt sich eine normale Sprachentwicklung?

Obwohl die individuelle Sprachentwicklung sehr unterschiedlich verläuft, lässt sich anhand wissenschaftlicher Eckdaten der Entwicklungsprozess der Sprache bei Kindern bestimmen. Dabei wird die Entwicklung des Sprachverständnisses generell von der des aktiven Sprechens unterschieden:

1. Entwicklung des Sprachverständnisses

  • Neugeborene und Säuglinge: Neugeborene reagieren auf menschliche Sprache. Die Stimme der Mutter wird bereits nach wenigen Wochen erkannt – die gefühlsmäßige Bedeutung der Sprache wird verstanden.
  • 12. bis 15. Lebensmonat: Das Kind versteht der Situation entsprechende Anweisungen. Es zeigt uns den Ball, mit dem es gerade spielt und es beobachtet, wie sein Gegenüber auf sein Tun reagiert.
  • 15. bis 18. Lebensmonat: Das Kind hat gelernt, verschiedene Dinge zu unterscheiden und uns diese gezielt zu übergeben. In einigen Fällen versteht es sogar bereits die Handlung, die mit dem jeweiligen Gegenstand ausgeführt werden soll.
  • 18. bis 24. Lebensmonat: Das Kind kann Gegenstände und dazugehörige Handlungen voneinander trennen. Es deutet nicht nur auf Gegenstände, sondern kann damit Handlungen ausführen (Ball bringen).
  • 24. bis 30. Lebensmonat: Nun können vom Kind auch bisher unbekannte, sozusagen absurde Anweisungen befolgt werden, beispielsweise die Puppe mit dem Malstift füttern. Im Alter von etwa 30 Monaten kann es diese Anweisung als unsinnig erkennen und sich weigern, sie durchzuführen.

2. Entwicklung der aktiven Sprache

  • Neugeborene: Erste Lautäußerungen sind durch Schreien möglich. Nach wenigen Tagen bis Wochen beginnt das Bilden von Selbstlauten (a, e, i, o, u).
    Lebenswoche bis 6. Lebensmonat: Erste Lallperiode: das Kind bemüht sich, Laute nachzuahmen und diese wie Rede und Antwort mit der Bezugsperson auszutauschen.
  • 6. bis 9. Lebensmonat: Zweite Lallperiode: Bildung von Doppelsilben oder Silbenketten, zunächst mit Mitlauten wie „M“ oder „P“ („Mama, Papa“).
  • 9. bis 18. Lebensmonat: Begriffsbildung: das Kind ordnet nun Lautäußerungen bestimmten Personen oder Gegenstandsgruppen zu („Wauwau“ für alle Tiere). Es kann eine „Pseudosprache“ bilden, d. h. es bildet Sätze mit eigenen Wörtern.
  • 18. bis 24. Lebensmonat: Das Kind kann nun alltägliche Gegenstände oder Handlungen benennen und bildet Einwortsätze. Einige Laute können nur schwer oder noch nicht gebildet werden („S“, „Sch“, „K“, „R“).
  • 24. bis 36. Lebensmonat: Das Kind beginnt, Zweiwortsätze, zu bilden. Mit etwa drei Jahren fängt das Kind an, Was-Wer-Wo-Fragen zu stellen.
  • 36. bis 48. Lebensmonat: Das Kind stellt nun auch Warum-Fragen und bildet Mehrwort sätze. Es benutzt Fürwörter (ich, du, meins etc.) und bildet die Mehrzahl eines Wortes richtig. Mit vier Jahren kann es Zeiten bilden und verfügt über einen großen, differenzierten Wortschatz. Es kann nun alle Laute, bis auf „Sch“ und Doppelmitlaute (z. B. „gr“), bilden. Am Ende des vierten Lebensjahres können Sätze miteinander verbunden werden und das Kind kann über zusammenhängende Ereignisse berichten.

Die normale Sprachentwicklung sollte mit etwa fünf bis sechs Jahren abgeschlossen sein. Das bedeutet, dass ein Kind zu diesem Zeitpunkt in der Lage ist, alle Laute richtig auszusprechen und Sätze mit einfacher Grammatik zu bilden. Außerdem sollte es einen kindgemäßen Wortschatz besitzen.

Nach dem sechsten Lebensjahr bildet sich noch der so genannte Dialekt oder Akzent aus, der meist lebenslang erhalten bleibt.

Ab wann spricht man von einer Sprachentwicklungsverzögerung?

Man geht davon aus, dass bei rund zehn Prozent aller Kinder zumindest eine vorübergehende Sprachentwicklungsauffälligkeit besteht, eine dauernde Behandlungsbedürftigkeit hingegen nur bei einem halben bis ein Prozent.

Von einer Sprachentwicklungsverzögerung spricht man, wenn sich der zeitliche Ablauf der normalen Sprachentwicklung in einem oder beiden der oben genannten Bereiche nach hinten verschiebt. Da die Bandbreite der normalen Sprachentwicklung wie oben beschrieben sehr groß ist, erachtet man eine Verzögerung um ein Viertel bis ein Drittel der Lebensmonate als auffällig. Dann sollte der Kinder- oder HNO-Arzt weitere Untersuchungen einleiten. Manchmal fallen Störungen im Bewegungsablauf des Sprechapparats schon durch Trinkschwierigkeiten im Säuglingsalter auf.

Wann und wo sollte man das Kind untersuchen lassen?

Sobald Eltern den Verdacht auf eine Sprachentwicklungsverzögerung bei ihrem Kind haben, sollten sie den HNO-Arzt aufsuchen. Der wird zunächst das Gehör untersuchen. Falls sich das Gehör als unauffällig erweist, schließt sich bei Kindern mit einer deutlichen Sprachentwicklungsverzögerung eine neurologische Untersuchung
mit Entwicklungsdiagnostik an. Dies kann beispielsweise in einem Sozialpädiatrischem Zentrum oder einer ähnlichen Spezialabteilung geschehen. Eine logopädische Mituntersuchung zur genauen Einteilung der Sprachentwicklungsverzögerung ist ebenfalls empfehlenswert.

Um Ursachen für einen verzögerten Spracherwerb abzuklären, schließen sich unter Umständen auch noch weitere Untersuchungen an, beispielsweise die Messung der Hirnströme mittels Elektro-Enzephalographie (EEG).

Welche Ursachen kann eine Sprachentwicklungsverzögerung haben?

Zu den häufigsten Ursachen einer Sprachentwicklungsverzögerung gehört ein eingeschränktes Hörvermögen. Neben einer angeborenen Hörstörung können häufige Mittelohrentzündungen oder auch eine Hirnhautentzündung, sowie Fehlbildungen im Nasen-Rachen-Raum (Kiefer-Gaumen-Spalte) der Grund für eine Sprachentwicklungsverzögerung sein.

Auch können familiär bedingte Ursachen vorliegen: zumeist hatte dann auch ein Elternteil Probleme mit dem Spracherwerb. Und natürlich kann auch eine allgemein geistige Behinderung vorliegen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie ist immer von der Ursache der Störung abhängig. Wenn die verzögerte Sprachentwicklung auf zu häufige Mittelohrentzündungen zurückzuführen ist, wird der Arzt versuchen, mit schleimlösenden Mitteln und abschwellenden Nasentropfen eine Besserung zu erzielen. Führt das nicht rasch und dauerhaft zum Erfolg, ist eine Operation mit Entfernung der Rachenmandeln (Polypen), Schlitzung der Trommelfelle oder Legen von Paukenröhrchen unerlässlich.

Findet sich eine angeborene Störung des Gehörs, sollte eine Hörgeräteverordnung erfolgen und eine Horfrühförderung eingeleitet werden.

Bei einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung beginnt man zunächst mit einer heilpädagogischen Frühförderung, um das Kind gezielt auf eine Sprachtherapie vorzubereiten. Diese wird erst sinnvoll, wenn das Kind ein bestimmtes Entwicklungsniveau erreicht hat.

Bei motorischen Störungen vorliegen, kann frühzeitig mit einer Art Krankengymnastik für den Mundbereich begonnen werden, der so genannten Castillo-Morales-Therapie. Diese wird von speziell ausgebildeten Sprachtherapeuten angeboten.

Wichtig ist in jedem Fall eine frühzeitige Erkennung und damit eine rechtzeitige Therapie. Mit dreieinhalb bis vier Jahren wird sie für Kinder sinnvoll, die kaum verständlich sprechen und viele Buchstaben, sowie den Satzbau nicht beherrschen oder aber Fehlbildungen im Mund- und Rachenbereich vorliegen.

Bei reinen Aussprachefehlern einzelner Mitlaute kann man dem Kind mehr Zeit einräumen, sollte aber, bei bestehender mangelnder Aussprache, eine Sprachtherapie ab folgendem Alter veranlassen:

  • mit viereinhalb Jahren: wenn die „W“ und „F“ nicht ausgesprochen werden können.
  • mit fünf Jahren: bei mangelnder Aussprache der Mitlaute „Z“, „R“ und „Ch“.
  • mit fünfeinhalb Jahren: bei Nichtaussprache der Mitlaute „G“, „K“, „T“ und „Sch“.

Mit dem Eintritt in die Schule sollte die Behandlung der frühkindlichen Sprachverzögerung abgeschlossen sein.

Was können Eltern tun?

Es ist wichtig, von Geburt an, viel mit dem Kind zu sprechen. Möglichst normal und nicht in Kindersprache. Allerdings sollte man dabei das kindliche Gehör nicht durch ein ständiges Überangebot (Kassetten, Fernsehen) überfordern, sondern ihm die Möglichkeit geben, auch Stille zu erfahren. Sobald der Verdacht auf eine Hörstörung oder Sprachentwicklungsverzögerung besteht, sollte der Kinder- oder HNO-Arzt informiert werden.

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