Erkrankungen des Halses – Stottern

wenn die Worte stecken bleiben

In Deutschland stottern etwa ein Prozent der Erwachsenen. Das klingt nicht dramatisch – aber das sind immerhin 800.000 Betroffene.

Stotterer sind einem enormen psychischen Druck ausgesetzt, sie sind unsicher und nicht selten isoliert. Die Patienten stehen meist vor dem großen Problem, sich für sehr unterschiedliche Therapieformen entscheiden zu müssen.

Aristoteles, Winston Churchill, Marilyn Monroe, Rowan Atkinson („Mr. Bean“), Bruce Willis und Dieter Thomas Heck waren Stotterer. Sie sind die prominenten Beispiele dafür, dass man das Stottern besiegen kann!

Allerdings spricht man in Fachkreisen nie von „Heilung“, denn den meisten Patienten gelingt es selten, vollkommen stotterfrei zu sprechen. Warum?

Stottern ist Kontrollverlust

Stottern ist der Verlust über die Kontrolle des Sprechapparates und keine psychische Störung. Beim Stottern unterscheidet man drei verschiedene Formen:

Klonisches Stottern, bei dem einzelne Buchstaben während des Sprechens wiederholt werden.
Tonisches Stottern, bei dem der Redefluss unterbrochen und regelrecht blockiert wird.
Eine Mischform aus klonischem und tonischem Stottern.
Beim Stottern ist der Körper angespannt, die Gesichtsmuskulatur verkrampft, die Atmung wird unregelmäßig, der Patient errötet und schwitzt. Viele Stotterer sind Meister im Vermeiden. Sie vermeiden Wörter und Situationen, was in Beruf und Freizeit zu großen psychischen Belastungen führt. Kommen negative Reaktionen der Mitmenschen hinzu, gar Spott oder Ablehnung, folgt nur allzu schnell die soziale Isolation.

Stottern beginnt im Kindesalter

Stottern beginnt bereits im Kindesalter zwischen zwei und fünf Jahren. Das ist die Phase, in der sich Kinder besonders schnell entwickeln, und zwar in jeder Hinsicht: sprachlich, körperlich, geistig und emotional.

Meistens verliert sich das Stottern bis zur Pubertät. Jungen sind viermal häufiger betroffen als Mädchen.

Die Ursache, warum manche Kinder anfangen zu stottern, ist unbekannt. Allerdings weiß man inzwischen, dass eine Veranlagung zum Stottern vererbt werden kann. Stotterer haben rund dreimal häufiger stotternde Familienmitglieder, als Menschen, die nicht stottern.

Interessant ist, dass Stotterer viel flüssiger sprechen, wenn sie flüstern, rhythmisch oder im Chor reden oder wenn sie singen. Erst, wenn kommunikativer Druck entsteht, wie bei Telefonaten oder Vorstellungsgesprächen,
oder bei Kindern in der Schule, dann tritt das Stottern verstärkt auf.

Wenn Eltern bei ihren Kindern die genannten Symptome erkennen, sollten sie sich sofort medizinischen Rat einholen – abwarten, bis sich das Problem von alleine löst, ist falsch! Gerade bei Kindern sind die Chancen groß, dass das Stottern mit einer entsprechenden Therapie schnell überwunden werden kann.

Therapien für Erwachsene

Bei Erwachsenen sieht es leider anders aus. Sie müssen meistens ein Leben lang ihr Stottern therapieren. Dafür gibt es zwei mögliche Behandlungsmethoden:

  • „Fluency Shaping“, zu deutsch „flüssiges Sprechen lernen“: Bei dieser Methode erlernt man spezielle Techniken, die den Sprachduktus an sich verändern, indem er verfremdet wird. Die Vokale werden stark gedehnt, die Atmung kontrolliert, Sprechbewegungen werden ohne allzu starken Muskeleinsatz durchgeführt. Das Sprechen wird aber dadurch allmählich wieder natürlicher, auch wenn es kontrollierter Vorgang ist.
  • Nichtvermeidungsansatz oder Van-Riper-Therapie: Diese Methode ist eine Stottermodifikation. Wörter, bei denen das Stottern einsetzt, werden nicht umgangen, sondern mit Hilfe von Sprechtechniken bewusst und kontrolliert ausgesprochen. Dabei wird vorausgesetzt, dass Ängste und negative Erwartungen abgebaut werden.

Beide Methoden gelten als wirksam, man muss allerdings individuell entscheiden, welche Therapie am besten passt.

Hypnose oder Psychotherapie bedeuten, wenn überhaupt, nur kurzfristige Besserungen. Sie sind zudem nur begleitend zu den Sprechtherapien sinnvoll.

Medikamente zur Muskelentspannung, wirken nur, solange sie eingenommen werden und sind nicht ohne Nebenwirkungen.

Eine Stottertherapie ist nur dann als „seriös“ einzustufen, wenn sie auf einen längeren Zeitraum angelegt ist. Sie sollte zudem Übungen außerhalb des „Therapieraums“ anbieten (auf der Straße, in konkreten Situationen).

Wichtig sind zudem Nachsorge und ein Rückfallprogramm. Eine komplette Heilung gibt es nicht, aber eine deutliche Verbesserung, die in manchen Fällen bis zur Symptomfreiheit geht.

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